Wer führt, muss sprechen!

Warum CEO-Positionierung eine kommunikationsstrategische Disziplin ist — und welche Werkzeuge sie wirksam machen.

Ein neuer CEO übernimmt. In den ersten zwölf Monaten entscheidet sich nicht nur, ob er operativ liefert. Es entscheidet sich, ob ihn die eigene Organisation als Führungspersönlichkeit anerkennt — und ob ihn der Markt als eigenständige Stimme wahrnimmt. Beides ist keine Frage des Charismas. Es ist eine Frage der Kommunikationsstrategie. Und genau hier liegt für externe Berater eine Disziplin, die häufig unterschätzt und selten methodisch sauber bearbeitet wird.

1. Das Missverständnis: Positionierung ist keine Selbstdarstellung

Wenn von „CEO-Positionierung“ die Rede ist, denken viele zuerst an LinkedIn-Posts mit aufgeräumtem Porträtfoto, an Keynote-Slots auf Branchenkongressen, an gut platzierte Interviews in der Wirtschaftspresse. Das ist die sichtbare Oberfläche. Mit Positionierung im strategischen Sinne hat sie wenig zu tun. Wer auf der Oberfläche arbeitet, produziert Sichtbarkeit ohne Substanz. Wer den Kern berührt, produziert Wirkung.

Positionierung beantwortet eine andere Frage: Wofür steht diese Person — und woran sollen Mitarbeitende, Kunden, Märkte und Medien sie verlässlich wiedererkennen? Diese Frage ist nicht kosmetisch. Sie ist konstitutiv. Ein CEO ohne klares Profil ist verwechselbar. Ein verwechselbarer CEO erzeugt keine Bindung, weder nach innen noch nach außen. Deshalb ist CEO-Positionierung in erster Linie eine Aufgabe der Kommunikationsstrategie. Sie arbeitet mit Methoden der Persönlichkeitsanalyse, der Stakeholder-Segmentierung, der inhaltlichen Architektur, der Tonalität, des Kanalmixes und der redaktionellen Steuerung. Sie ist nicht Coaching. Sie ist nicht PR. Sie ist Strategiearbeit mit kommunikativem Werkzeug. Diese Unterscheidung ist wichtig, weil sie über die Qualität der Arbeit entscheidet.

Coaching adressiert die Person und ihre Entwicklung als Führungskraft. Kommunikationsstrategie adressiert die Wirkung dieser Person auf definierte Zielgruppen. Beides hat Berührungspunkte, aber unterschiedliche Logiken, Methoden und Ergebnisse. Wer beides vermischt, bekommt am Ende weder ein klares Profil noch ein funktionierendes Kommunikationssystem.

2. Wann CEO-Positionierung zur Pflicht wird

Es gibt drei Konstellationen, in denen aus einer Kür eine Pflicht wird. In allen drei Konstellationen reicht es nicht aus, die etablierte Unternehmenskommunikation einfach um ein paar CEO-Formate zu ergänzen. Es braucht einen strategischen Aufschlag.

Konstellation A: Der Generationenwechsel

Ein langjähriger Inhaber-CEO, vielleicht sogar der Gründer, übergibt die operative Verantwortung. Der neue CEO ist häufig kein Außenseiter, sondern ein erfahrener Manager aus dem Unternehmen oder seinem Umfeld. Das Risiko ist nicht, dass er fachlich versagt. Das Risiko ist, dass er als „verlängerter Arm“ des Vorgängers wahrgenommen wird — und keine eigene Statur entwickelt. Hier braucht es eine kommunikative Linie, die zwei Dinge gleichzeitig leistet: Sie würdigt die Vergangenheit, ohne sich an sie zu binden, und sie öffnet einen eigenständigen Möglichkeitsraum, ohne den Vorgänger zu kritisieren. Diese Doppelbewegung — subtile Differenzierung bei sichtbarem Respekt — ist eine der anspruchsvollsten Aufgaben in der CEO-Kommunikation. Sie gelingt nicht über das, was gesagt wird, sondern über Themenwahl, Tonalität und die wiederkehrenden Bilder, die ein neues Profil zeichnen.

Konstellation B: Die Transformation

Die Organisation steht vor einem strukturellen Umbruch — Reorganisation, M&A-Integration, Geschäftsmodellwechsel, internationale Expansion. In diesen Phasen ist der CEO nicht nur Manager, sondern Bedeutungsstifter. Mitarbeitende wollen verstehen, wohin die Reise geht. Kunden wollen wissen, ob ihr Ansprechpartner morgen noch derselbe ist. Investoren wollen sehen, ob der Steuermann das Schiff im Sturm hält. Wer in solchen Phasen ohne klare kommunikative Linie agiert, überlässt die Deutungshoheit anderen — Gerüchten, Konkurrenten, sozialen Medien. Eine professionell entwickelte CEO-Positionierung ist hier ein strategisches Stabilisierungsinstrument.

Konstellation C: Der Wachstumssprung

Das Unternehmen ist gewachsen — über Köpfe, über Standorte, über Branchengrenzen hinweg. Die alte Form der Kommunikation aus Inhaberhand reicht nicht mehr aus. Was im 200-Personen-Unternehmen funktionierte (Tür-auf-Politik, Flurfunk, jährliche Mitarbeiterversammlung), funktioniert im 2.000-Personen-Konzern nicht mehr. Der CEO muss nun systematisch sichtbar werden, ohne dass diese Sichtbarkeit als Inszenierung empfunden wird. Das ist eine Frage der Methode, nicht des Talents.

3. Die Diagnose: Wer ist diese Person eigentlich?

Jede ernsthafte Positionierungsarbeit beginnt mit einer Diagnose. Bevor irgendetwas gesendet wird, muss verstanden werden, wer da sendet. Das klingt banal — und wird in der Praxis regelmäßig übersprungen. Das Ergebnis sind Profilbeschreibungen, die auf jede beliebige Führungskraft passen würden: „strategisch, empathisch, durchsetzungsstark, innovationsgetrieben“. Solche Profile sind kommunikativ wertlos.

Das Bild zeigt eine Grafik mit den Elementen des BIG FIVE Modells.

In meiner Arbeit nutze ich an dieser Stelle gerne ein etabliertes Instrument der Persönlichkeitspsychologie, das nicht als Coaching-Werkzeug missverstanden werden darf, sondern als kommunikationsstrategische Analysefolie funktioniert: das sogenannte Big-Five-Modell. Es beschreibt fünf grundlegende Persönlichkeitsdimensionen, auf denen sich jede Person individuell verorten lässt. Für die Positionierung interessieren mich dabei nicht die psychologischen Feinheiten, sondern die kommunikativen Konsequenzen.
Ein extravertierter CEO mit hoher Offenheit für Neues lebt kommunikativ in einem völlig anderen Format-Universum als ein introvertierter Analytiker mit hoher Gewissenhaftigkeit. Wer den ersten in ein faktenschweres Whitepaper zwingt, langweilt ihn — und seine Leser. Wer den zweiten in ein spontanes „Ask Me Anything“-Format presst, beschädigt seine Glaubwürdigkeit. Die Kunst der Positionierung besteht darin, die individuellen Stärken einer Person in genau die Formate und Themen zu übersetzen, in denen sie authentisch wirken kann.

Konkret bedeutet das: Auf Basis der Persönlichkeitsdiagnose entwickle ich gemeinsam mit dem CEO ein Profil aus vier oder fünf Rollen, in denen er sich erkennt und auf die sich seine gesamte Kommunikation zurückführen lässt. Rollen wie „Visionär“, „Mentor“, „Dirigent“ oder „Innovator“ sind dabei keine Etiketten, sondern Verdichtungen einer Haltung. Jede Rolle bringt eigene Themen, eigene Sprache, eigene Formate mit. Zusammen ergeben sie ein konsistentes Bild — und einen Möglichkeitsraum, in dem sich die Person bewegen kann, ohne austauschbar zu werden.

4. Das Positionierungsstatement: Worum es eigentlich geht

Aus der Diagnose und dem Rollenmodell entsteht das, was den Kern jeder Positionierungsarbeit ausmacht: ein Positionierungsstatement. Idealerweise in zwei Varianten — eine interne, die das Selbstverständnis gegenüber Mitarbeitenden ausdrückt, und eine externe, die das Profil gegenüber Markt und Öffentlichkeit beschreibt. Beide Statements sind keine Marketingclaims. Sie sind die Antwort auf die Frage, wie diese Person Führung versteht und welchen Beitrag sie für ihre Organisation und ihr Umfeld leisten will.

Ein gutes Statement ist kurz, präzise und unverwechselbar. Es vermeidet die üblichen Floskeln („mit Leidenschaft“, „auf Augenhöhe“, „nachhaltig“) und benennt eine konkrete Haltung. Es ist die strategische Klammer, die alles weitere zusammenhält — vom LinkedIn-Post über die Townhall-Rede bis zum Mitarbeiterinterview. Wichtig: Das Statement entsteht nicht am Schreibtisch des Beraters. Es entsteht im gemeinsamen Workshop mit dem CEO und gegebenenfalls einem kleinen Kreis von Vertrauenspersonen. Meine Aufgabe ist es, die richtigen Fragen zu stellen, die Antworten zu strukturieren, Widersprüche aufzulösen und am Ende eine sprachliche Form zu finden, die der Person gehört — und nicht dem Berater.

Ein Profil ist gut, wenn der CEO darin sich selbst wiedererkennt — und seine Mitarbeitenden ihn ebenfalls. Wer sich an einer Fremdbeschreibung abarbeiten muss, klingt verstellt. Und Verstelltheit ist das Gegenteil von Vertrauen.

5. Die Tonalität: Wie es klingt, ist die halbe Botschaft

Sprache ist nicht der Transportbehälter für Inhalte. Sprache ist Inhalt. Wer sagt „Wir heben unsere Synergien auf das nächste Level“, sagt etwas anderes als „Wir haben zwei Teams zusammengebracht, damit Kundenwünsche schneller bearbeitet werden — die Lieferzeit hat sich um zwanzig Prozent verkürzt“. Der Inhalt ist derselbe. Die Wirkung ist eine andere. Die erste Aussage erzeugt Misstrauen. Die zweite erzeugt Vertrauen. Ein gutes Tonalitätsprofil definiert deshalb nicht nur, was kommuniziert wird, sondern wie. In meiner Praxis arbeite ich dabei mit vier oder fünf Tonalitäts-Prinzipien, die für die jeweilige Person passen müssen. Beispiele aus realen Projekten:

  • Pointiert und klar — präzise Aussagen statt vager Floskeln, klare Botschaften, untermauert mit Fakten oder konkreten Beispielen.
  • Faktenbasiert und analytisch — Argumente, die sich auf Daten, Erfahrungen oder belegbare Erfolge stützen, statt auf Behauptungen.
  • Philosophisch fundiert, aber anschlussfähig — Tiefe, wo es lohnt, aber niemals akademischer Jargon; Bezüge, die die Zielgruppe versteht.
  • Authentisch und nahbar — Ich-Botschaften, persönliche Beobachtungen, Empathie für Mitarbeitende und Partner.
  • Ohne Buzzword-Bingo — kein Corporate-Sprech, keine leeren Modewörter; lieber konkret als glattgebügelt.

Diese Prinzipien sind keine Vorschriften, sondern Leitplanken. Sie helfen dem CEO, dem Kommunikationsteam und externen Dienstleistern, eine wiedererkennbare Stimme zu entwickeln. Wiedererkennbarkeit ist dabei nicht Selbstzweck. Sie ist Vertrauensaufbau über Zeit. Eine Studie nach der anderen belegt: Konsistenz in Ton und Sprache ist einer der stärksten Treiber von Glaubwürdigkeit — stärker als jede einzelne Botschaft.

6. Die Themenfelder: Vom Profil zum Redaktionsplan

Wenn die Person sortiert ist und die Tonalität steht, beginnt die eigentliche Arbeit der Kommunikationsstrategie: die Definition der Themenfelder. Diese Felder — in der Regel vier oder fünf — sind die thematische Bühne, auf der sich der CEO über Monate und Jahre hinweg bewegt. Sie sind nicht der Redaktionsplan, sondern dessen Voraussetzung.

Ein gutes Themenfeld erfüllt drei Bedingungen. Erstens: Es zahlt auf die Positionierung ein — jedes Themenfeld ist die kommunikative Verlängerung einer Rolle aus dem Profil. Zweitens: Es ist anschlussfähig an die strategischen Prioritäten des Unternehmens — der CEO spricht über das, was ohnehin geschieht, nicht über das, was schön klingen würde. Drittens: Es funktioniert sowohl intern als auch extern — eine gute Storyline lässt sich in eine Mitarbeiteransprache und in einen LinkedIn-Post übersetzen, ohne dass eine der beiden Versionen künstlich wirkt. In der Regel ergeben sich Themenfelder rund um Zukunft und Transformation, um moderne Führung und Teamkultur, um Zusammenarbeit über Silogrenzen hinweg sowie um Innovation und Technologie. Die genauen Zuschnitte hängen vom Unternehmen, vom Markt und von der Persönlichkeit des CEO ab. Wichtig ist nicht die Originalität der Felder, sondern die Disziplin, mit der sie über Zeit bespielt werden.

Aus den Themenfeldern entsteht — als nächster konkreter Schritt — eine Themenmatrix: Welches Thema wird in welchem Format auf welchem Kanal von welcher Rolle gespielt? Aus dieser Matrix wiederum entsteht der Redaktionsplan, idealerweise auf zwölf Monate angelegt mit quartalsweisen Reviews. Was kompliziert klingt, ist in der Praxis Handwerk — aber Handwerk, das gelernt sein will.

7. Kanäle und Formate: Der Mix macht die Reichweite

Menschen nehmen Botschaften unterschiedlich wahr. Der eine liest, die andere hört, der dritte will sehen. Wer als CEO nur auf einem Kanal sendet, erreicht systematisch nur einen Teil seiner Zielgruppe. Ein durchdachter Mix von Kanälen und Formaten erhöht nicht nur die Reichweite, er steigert auch die Effizienz der Redaktionsarbeit erheblich — aus einem strategischen Townhall-Statement werden im Idealfall ein Intranet-Blogpost, eine Teaser-Mail, eine Pressemitteilung und ein LinkedIn-Beitrag, jeweils im angemessenen Format und in der jeweils richtigen Tonalität.

Intern: Nähe schaffen

Auf der internen Seite haben sich vier Formate als besonders wirksam erwiesen: ein regelmäßiger CEO-Blog im Intranet (mindestens monatlich), quartalsweise Townhall-Meetings mit echter Q&A-Sektion, kurze Video-Botschaften zu Anlässen und — als persönlichstes Format — offene „Ask Me Anything“-Runden, in denen Mitarbeitende anonym Fragen stellen können. Ergänzt wird das durch informelle Begegnungsformate wie Frühstücke oder Round Tables an wechselnden Standorten. Entscheidend ist nicht die Menge der Formate, sondern ihre Verlässlichkeit. Ein monatlicher Blog, der drei Monate lang nicht erscheint, beschädigt mehr Vertrauen, als ein nicht existierender Blog je könnte. Konsistenz schlägt Intensität.

Extern: Profil schärfen

Auf der externen Seite ist LinkedIn heute die Hauptbühne der CEO-Kommunikation — kurze, pointierte Posts auf dem eigenen Profil, idealerweise als Verlängerung interner Themen. Dazu kommen, je nach Branche und Zielgruppe, Gastbeiträge in der Wirtschafts- und Fachpresse, Speaker-Slots auf relevanten Branchenkongressen, Podcast-Interviews und Kommentare in Tagesmedien zu makroökonomischen Themen, die das eigene Geschäft berühren.
Wichtig: Externe Sichtbarkeit ist kein Selbstzweck. Sie ist immer auch ein Signal nach innen. Mitarbeitende lesen, was ihr CEO öffentlich sagt — und vergleichen es mit dem, was er intern sagt. Wenn beides auseinanderfällt, ist Vertrauen schneller verloren als jede Studie zu glauben bereit ist.

8. Synchronisation: Internal First

Das führt zum vielleicht wichtigsten Prinzip der CEO-Kommunikation: Wichtige strategische Botschaften werden zuerst intern, mindestens aber simultan kommuniziert. Mitarbeitende dürfen niemals aus der Presse erfahren, was ihr CEO denkt. Wer dieses Prinzip verletzt, ruiniert in einem einzigen Vorgang, was über Monate aufgebaut wurde. In der Praxis bedeutet das: Jede externe Kommunikation hat einen internen Vorlauf oder zumindest einen internen Spiegel — ein Pressespiegel im Intranet, der jede Veröffentlichung mit kurzer Zusammenfassung und Link bereitstellt, oder Video-Mitschnitte von Panel-Auftritten, die im Intranet zugänglich gemacht werden. Umgekehrt lassen sich interne Erfolgsgeschichten — anonymisiert und kontextgerecht — extern adaptieren. Beides stärkt die Identifikation.

Ein weiteres Element der Synchronisation ist die Aktivierung der Mitarbeitenden als Botschafter. Wer LinkedIn-Posts seines CEO intern ankündigt und um Likes oder Shares bittet, erhöht nicht nur die organische Reichweite. Er signalisiert auch: Diese Botschaften gehören uns gemeinsam.

9. Monitoring und Feedback: Aus Kommunikation lernen

CEO-Positionierung ist kein Projekt mit Anfang und Ende. Sie ist ein laufender Prozess, der gemessen, ausgewertet und angepasst werden muss. In den Werkzeugkasten gehören deshalb Medienspiegel für Presse und Social Media, interne Feedback-Tools (Pulse Checks, kurze Stimmungsbarometer nach Townhalls), Reichweiten- und Engagement-Daten der eigenen Kanäle sowie qualitatives Feedback aus Führungskräftekreisen.

Aus den Daten entstehen Learnings — und diese Learnings fließen zurück in den Redaktionsplan, in die Themenmatrix, manchmal auch zurück in die Tonalität. Ein Beispiel aus der Praxis: Wenn ein externes Statement intern Verunsicherung auslöst, hat der CEO die Möglichkeit, das Thema in der nächsten Townhall oder im nächsten Blogpost aufzugreifen und einzuordnen. Wenn umgekehrt ein interner Post bei Mitarbeitenden besonderes Echo findet, lohnt es sich, das Thema extern zu vertiefen. Diese Feedback-Schleifen sind das, was eine professionelle CEO-Kommunikation von einer beliebigen unterscheidet. Sie machen aus einer Sendeoperation einen Dialog. Und sie erlauben die laufende Verbesserung — der Strategie, der Kanäle, der Formate, der Inhalte.

10. Warum es externe Expertise braucht

Die meisten Unternehmen haben eine interne Kommunikationsabteilung. Viele haben sehr gute. Trotzdem profitieren CEOs in Positionierungsphasen fast immer von externer Begleitung. Das hat drei Gründe — und keiner davon ist eine Kritik an internen Teams.

  • Erstens: Distanz. Externe Berater haben keine Karrierehistorie im Haus, keine politischen Verstrickungen, keine Loyalitäten zu vorherigen CEOs. Sie können Fragen stellen, die intern niemand stellen würde, und Antworten geben, die intern niemand geben dürfte. Dieser Außenblick ist in Positionierungsphasen Gold wert.
  • Zweitens: Methode. Positionierungsarbeit ist ein eigenes Handwerk. Es nutzt Methoden aus der Persönlichkeitspsychologie, der Markenführung, der politischen Kommunikation, der Sprachwissenschaft und der Strategieberatung. Wer diese Methoden nicht regelmäßig anwendet, kann sie auch nicht souverän einsetzen. Interne Teams haben in der Regel Tagesgeschäft zu bewältigen — sie haben weder die Zeit noch oft die spezifische Erfahrung, ein Positionierungsprojekt von Grund auf aufzusetzen.
  • Drittens: Geschwindigkeit. In Transformationsphasen entstehen täglich neue Themen, neue Reaktionen, neue Krisen. Ein externer Berater kann konzentriert und ohne Reibungsverluste am Thema arbeiten, während das interne Team das Tagesgeschäft am Laufen hält. In meinen eigenen Projekten habe ich erlebt, dass diese Arbeitsteilung — externes Strategie- und Konzeptbüro, internes Umsetzungs- und Verankerungsteam — die mit Abstand wirksamste Konstellation ist.

Mein Ziel ist nie, mich unentbehrlich zu machen. Es ist, Kapazitäten im Haus aufzubauen, die nach meinem Ausstieg eigenständig weiterarbeiten können. Eine gute Positionierung trägt sich nach zwölf bis achtzehn Monaten selbst — wenn sie methodisch sauber aufgesetzt wurde.

11. Was eine gute Positionierungsarbeit leistet

Am Ende eines gut gemachten Positionierungsprojekts steht nicht ein Stapel Folien. Es steht ein funktionierendes Kommunikationssystem, das sich messen lässt. In meinen eigenen Projekten beobachte ich regelmäßig vier Wirkungsebenen, die sich nach einigen Monaten zeigen.

Wahrnehmungsverschiebung: Der CEO wird intern und extern nicht mehr als „Nachfolger“ oder „Verwalter“ wahrgenommen, sondern als eigenständige Führungspersönlichkeit mit erkennbarem Profil. Befragungen zeigen messbar höhere Akzeptanzwerte.

Vertrauensaufbau: Mitarbeitende und Führungskräfte beschreiben den CEO mit konsistenten Attributen, die nicht beliebig sind. Krisenfähigkeit und Belastbarkeit der Kommunikation in schwierigen Situationen steigen.

Resonanz: Externe Sichtbarkeit nimmt nicht nur quantitativ zu (Reichweiten, Engagement, Medienpräsenz), sondern auch qualitativ — der CEO wird zitiert, eingeladen, befragt, weil er etwas zu sagen hat, nicht weil er einen Titel trägt.

Organisationale Wirkung: Eine kohärente CEO-Kommunikation strahlt auf die Unternehmensmarke ab. Sie stärkt das Employer Branding, sie unterstützt Vertriebsgespräche, sie macht die Organisation insgesamt sprechfähiger.

Diese Wirkungen sind nicht das Ergebnis von Magie oder Talent. Sie sind das Ergebnis methodischer Arbeit — und dieser Methodik liegt eine Überzeugung zugrunde, die ich an den Anfang dieses Beitrags gestellt habe: Wer führt, muss sprechen. Aber das Sprechen muss vorbereitet sein. Es muss verstanden, geprobt, geübt und strukturiert sein. Genau das ist die Aufgabe der CEO-Positionierung.

12. Schluss: Eine Investition, die sich rechnet

CEO-Positionierung ist keine Imagepflege. Sie ist eine strategische Investition in die Führungsfähigkeit eines Unternehmens. Sie schützt vor Verwechselbarkeit, sie stabilisiert in Phasen des Wandels, sie schafft Vertrauen nach innen und Resonanz nach außen. Sie ist Handwerk, kein Talent — und genau deshalb lässt sie sich planen, steuern und messen. Der Berater, der eine solche Arbeit übernimmt, ist nicht der Coach des CEO. Er ist der Architekt einer Kommunikationsinfrastruktur. Er bringt die Methoden mit, die Sprache, das Handwerk und vor allem die Distanz, die im Unternehmen selten verfügbar ist.

Wenn die Arbeit gut gemacht ist, verschwindet er nach achtzehn Monaten — und hinterlässt ein System, das ohne ihn weiterläuft. Genau das ist der Maßstab. Nicht: Hat der CEO mehr LinkedIn-Follower? Sondern: Erkennt ihn die Organisation wieder, wenn er spricht? Können seine Führungskräfte ihn zitieren, ohne ein Manuskript zu brauchen? Hat sich seine Stimme im Markt einen eigenen Klang erarbeitet? Wenn diese Fragen mit Ja beantwortet werden können, war die Investition richtig.

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